Kap. 6.1 | Jersey nähen – Tipps für elastische Stoffe

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Jersey nähen – Tipps zur Verarbeitung für elastische Stoffe

Elastische Stoffe sind besonders anschiegsam und bieten gleichzeitig viel Bewegungsspielraum ohne langfristig ihre Form zu verlieren. Damit eignen sie sich perfekt für alles, was am Körper sitzt.
Wir tasten uns an das Nähen von Bekleidung heran.

Jersey nähen - Alle Tipps & Tricks




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Elastische Stoffe und bi-elastische Stoffe

Besonders beliebt unter den elastischen Stoffen sind Jersey und Sweat, bestehend aus Baumwollstoff und Elasthan- oder Lycraanteil.

Grundsätzlich gilt:
Je höher der Anteil des elastischen Materials, desto elastischer wird der Stoff regelmäßig sein. Je elastischer und auch dünner der Stoff ist, desto schwerer ist er zu verarbeiten.

Ein Elasthananteil von 5% ist oft gängig für Stoffe mittlerer Elastizität.
Der Elasthananteil allein kann aber keine eindeutige Auskunft über die Elastizität des Stoffes geben, da diese von weiteren Eigenschaften des Stoffs abhängt. Entscheidend ist daher immer die Elastizität in %.
Was das genau heißt und wie du das Maß bei elastischen Stoffen bestimmst, liest du in Kürze in einem neuen Beitrag.

Double-Jersey (oft auch Double Face * in Fleece/Jersey) ist im Gegensatz zum Single-Jersey (Interlock) von der Stoffqualität etwas schwerer.
Da es formstabiler ist und zwei rechte Seiten hat, ist es leichter zu verarbeiten.

Darüber hinaus gibt es bi-elastische Stoffe. Das sind Stoffe, die sich in mehrere Richtungen dehnen lassen. Sportbekleidung ist meist bi-elastisch, zB mit Elasthananteilen bis 20%, aber auch bei Jeans- oder Cordhosen ist diese Eigenschaft von Vorteil.

Darauf musst du bei deiner Nähmaschine achten

Die richtige Stichart

Jersey & Co lassen sich am einfachsten mit einer Overlockmaschine verarbeiten. Die Overlockmaschine näht elastische Stoffe mit einer optimal flexiblen Naht mehrfädig stabil, versäubert und schneidet die Kanten in einem Schritt.

Jersey nähen Tipps Overlocknaht

Aber auch die meisten üblichen Nähmaschinen leisten regelmäßig ordentliche Arbeit, wenn du die folgenden Tipps beachtest.

Jersey nähen Tipps Stichart geschlossener Overlockstich

Der sogenannte „geschlossene Overlockstich“ einer üblichen Nähmaschine kommt der klassischen Overlockmaschinennähten am nächsten.
Damit wird durch eine Doppelnaht und dazwischenliegendem Zickzackstich elastisch genäht und gleichzeitig versäubert.

Sollte die Nähmaschine diese Stichart nicht haben, hält sie sicherlich eine andere Stichart für elastische Stoffe bereit, sei es der einfache Zickzackstich oder ein dreigeteilter Zickzackstich. Wähle für feine Stoffe eine schmalere Stichbreite als für feste.

Stichart Jersey nähen Zickzackstich

Viele Nähmaschinen haben unzählige Sticharten, davon sind mehrere für elastische Stoffe geeignet.

!TIPP!
Wenn du herausfinden möchtest, welche Sticharten deiner Nähmaschine sich wofür eignen – das Handbuch der Nähmaschine hilft hier weiter.

elastische stoffe nähen tipps

Unterschiedliche Sticharten einer Nähmaschine

Säume von elastischen Stoffen lassen sich auch gut mit der Zwillings- bzw Doppelnaht nähen. Dazu verwendest du eine Doppelnadel *.

elastische Stoffe nähen tipps doppelnadel

Stretch Doppelnadel

Bei festen, elastischen Stoffen, zB Jeans mit Stretchanteil empfiehlt sich das Versäubern im Zickzackstich, der normale Geradstich oder der 3fach-Geradstich.
Der schräge, geriffelte „elastische Jerseystich“ eignet sich für feste bi-elastische Stoffe.

Nur für feste, bi-elastische Stoffe geeignet: Der elastische Jerseystich

Nur für feste, bi-elastische Stoffe geeignet

!TIPP!
Gerade bei dünnen Stoffen bleiben oft die Stiche falscher Nähte sichtbar.
Teste daher vorher auf einem Stoffrest, ob der Stoff gleichmäßig transportiert wird und ob die Naht sauber wird.

Welche Nadel verwendet man für dehnbare Stoffe?

 

Für alle elastischen Stoffe gibt es die Jerseynadel *. Aufgrund ihrer abgerundeten Spitze sticht sie zwischen die Maschen und verhindert so Laufmaschen. Maschen? Genau!
Jersey & Co gehören zu den Strickstoffen. Nur Strickwaren sind so wunderbar elastisch. Im Gegensatz dazu kennzeichnen sich Webwaren durch einen in der Regel sehr unelastischen Kettfaden. Lies hier mehr darüber sowie alles zum Fadenlauf.

Bei Maschenware entspricht der Fadenlauf dem Maschenlauf

Der Fadenlauf bei Maschenware

Auch bei Maschenware muss der Fadenlauf beachtet werden, er entspricht dem Maschenlauf und auch hier ist das Gestrickte in Richtung des Fadenlaufs weniger dehnbar.

Als Nadelstärke eignet sich 70-90, für dünne Jerseystoffe 70 und dickere Sweatstoffe mit 90.

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Für bi-elastische Stoffe verwendet man die Stretchnadel *.

Alle elastischen Stoffe nähst du am besten mit Polyester-Nähgarn.

Alle Tipps zum Jersey nähen

Tipps für elastische Stoffe, um ein Verziehen und Einrollen der Kanten zu verhindern

Wichtig ist es, sowohl beim Zuschneiden als auch beim Nähen, den Stoff stets locker zu führen und keinen Zug auszuüben.

Vor dem Nähen wäschst du den Stoff am besten, denn Baumwolle läuft gern ein. Lies mehr zu den Eigenschaften sowie Verarbeitungshinweise von Baumwolle.

Das Absteppen aller Kanten mit Zickzackstich schützt ebenso vor dem Verziehen des Stoffes.

Den Zuschnitt erleichterst du, indem du den Stoff mit Gewichten * fixierst. Dies erspart dir auch das Abstecken und unerwünschte Nadellöcher.

Die Kanten deiner Schnittteile kannst du mit aufgebügelter Vlieseline oder Form- / Saumband * verstärken. Einfach geht es auch mit dem WonderTape *.

Jersey nähen: Kanten mit Saumband verstärken verhindert eingerollte Kanten

Formband verhindert das Einrollen der Kanten und erleichtert das Nähen

Auch provisorisch am Rand befestigtes Klebeband, am besten Malerkreppband – verhindert das Einrollen der Ränder und erleichtert das Nähen.

Das Aufsetzen eines Obertransportfußes schafft ebenso Abhilfe.

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Für mehr Halt des Nähfußes auf dem Stoff sorgt das Mitlaufenlassen eines Backpapierstreifens auf der linken Hälfte des Nähfußes. Damit wird das Verrutschen und Verziehen des Stoffs verhindert

Jersey Nähtipps Backpapier

Jersey: Backpapier gegen eingerollte Kanten und Verrutschen

Ein mitlaufender Backpapierstreifen erleichtert das Nähen von Jersey

Solange es beim Zusammennähen möglich ist und das Schnittmuster keine Nahtzugaben enthält, erleichterst du dir das Nähen, indem du das Schnittmuster
beim Nähen auf dem Stoff mitlaufen lässt. Das Schnittmuster sollte dabei unter der linken Hälfte des Nähfußes liegen.

Jersey nähen Tipps für mehr Halt

Das Mitlaufenlassen des Schnittmusters sorgt für mehr Halt der Nähfußsohle

Gerade bei dünnen Stoffen sind Stoffklammern * prima Helferlein zum Abstecken von Säumen, wenn Stecknadeln Löcher hinterlassen oder die Ränder sich stark rollen.

Alternativ kannst du dafür auch Büroklammern nehmen. Teste vorher auf einem Teststück, ob diese keine Druckstellen auf dem Stoff hinterlassen.

Es reicht in der Regel in 15cm-Abständen eine Büroklammer zu setzen. Ziehe die Büroklammern beim Nähen rechtzeitig heraus, an die Stelle der gerade herausgezogene Büroklammer hälst du den Stoff dann bis zum Nähen mit Daumen und Zeigefinger zusammen.

Jersey Nähtipps - Abstecken mit Büroklammern

Auch Büroklammern halten die rollenden Ränder an Ort und Stelle

 

Achte darauf, ausreichend Nahtzugabe hinzuzufügen und nicht zu nah an der Stoffkante zu nähen, damit die Nähmaschine den Stoff nicht verschlingt.





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Du hast ein unsauberes Stichbild beim Jersey nähen?

1.) Wenn du die Tipps alle beachtet hast, aber die Naht ungleichmäßig ist, überprüfe, ob Ober- und Unterfaden richtig eingefädelt sind.

2.) Variiere die Stichbreite und -länge etwas.

3.) Wechsle zum Vergleich in einen anderen elastischen Stich, am besten den einfachen Zickzackstich.

4.) Teste eine andere Nadel aus. Bei empfindlichen Nähmaschinen kann gelegentlich eine stärkere Stretchnadel Abhilfe schaffen.

 

Hier geht es weiter mit ersten, einfachen Nähprojekten zu elastischen Stoffen.
Du traust dich bereits an ein Bekleidungsstück? Dann fang‘ am besten mit etwas Kleinem an. Wie wäre es mit einer Babymütze aus Jersey oder Sweatstoff? Anleitung Baby Wendemütze mit kostenlosem Schnittmuster

 

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