Kap. 3.2 | Was? – Hilfe bei der Materialauswahl

2.2) Gewicht

Das Stoffgewicht entscheidet zum einen maßgeblich über den Sitz und Fall eines Stoffes. Zum anderen kommt diesem Kriterium – bedingt durch Zeiten, in denen der Onlinehandel den lokalen Stoffmarkt stark verdrängt hat, eine immerzu ‚gewichtigere‘ Bedeutung zu.

In fast allen stoffgewichtOnlineshops wird daher mittlerweile auch das Stoffgewicht in g/m² angegeben.

Bei der Auswahl außerhalb der Onlinewelt mag Schätzen unmöglich und Wiegen zu aufwendig sein und tatsächlich bringt uns Fühlen sehr viel weiter als eine starre Zahl. Schließlich soll der Stoff später meistens ja auch direkt auf oder an der Haut getragen werden und so eine Haut ist als größtes Sinnesorgan individuell verschieden anspruchsvoll.

Das Fühlen und Ermitteln der Haptik eines Stoffes soll also nach wie vor eines der wichtigsten Auswahlkriterien sein, da es uns die umfangreichsten und speziellsten Informationen über den Stoff liefern dürfte.

Dennoch: Das Gewicht ist ein wichtiger, oft unterschätzter Teil, der die spezifische Haptik ausmacht. So sind zum Beispiel dicht gewobene, feste und unelastische Stoffe seltener leicht und fühlen sich dementsprechend an.

Fast alle Stoffarten gibt es in verschiedenen Stärken, anhand deren man sich hinsichtlich einer bestimmten Verwendungsart orientieren kann. Beim Onlinekauf ist eine Auswahl nach Haptik sehr unpraktikabel. Zumal die Sensibilisierung für die Haptik eines Stoffes auch etwas Übungssache ist.

Das Stoffgewicht in g/ gibt nützliche Hinweise zu Verwendungsmöglichkeiten. Es hilft auch Stoffe zu finden, die einem persönlich favorisierten Tragekomfort in etwa entsprechen. Zudem lassen sich eventuelle Probleme bei der Verarbeitung vorab aus dem Weg räumen (zB Anpassung der Nähnadelstärke oder Auswahl je nachdem, bis zu welcher Stoffdichte die eigene Maschine problemlos nähen kann).

Faustregel:

Grundsätzlich eignen sich dicke, schwere und unelastische Stoffe ab 280g/m² mehr für den Haushalt (Beispiele: Stoffkorb, Kulturtasche, Vorhänge, Polsterbezug) oder für Bekleidung, die großer Belastung durch Reibung oder Witterung ausgesetzt ist, zum Beispiel für Jacken oder Hosen.

Elastische, leichtere Stoffe bis 280g/m² darunter auch Maschenware, sind überwiegend für bequeme Bekleidung jeglicher Art geeignet.

 


Ein kleiner Exkurs: Gewicht= Qualität?

Oftmals werden „dünnere“ Textilien – vor allem T-Shirts – mit vergleichsweise geringerem Gewicht als qualitativ minderwertiger angesehen. Dies ist so nicht richtig. Das Gewicht sagt deswegen nicht zwingend etwas über die Qualität aus, da minderwertige, kurzfaserige Fasern oft zu dickeren, nur bergrenzt strapazierfähigen Garnen gesponnen werden, um überhaupt erst zu einem Gewebe zu halten. Letztlich entscheidend für die Qualität ist die Verarbeitung (Webung, Stabilität der Nähte usw.,  lesenswert hierzu ist auch die Bestimmung der Stoffqualität anhand der sogenannten Feinheit). Beim Kauf fertig geschneiderter Bekleidung werden zudem nicht selten Äpfel mit Birnen verglichen, da Schnitte unterschiedlich sind und so durch die tatsächlich verbrauchte Stoffmenge trotz geringen Gewichts es zu höherem Tragegewicht gegenüber des Modells mit schwererem Gewicht kommen kann und so den gewünschten Tragekomfort verfälscht.



Als Anhaltspunkt dient dieser grobe Vergleich der empfohlenen Grammatur von Stoffen dem Verwendungszweck entsprechend:

T-Shirts160g/m²  
Poloshirts185g/m²  
Sweatshirts270g/m²  
Jeans (leicht; mittel; schwer)
480; 500; 740g/m²  
Leichte Bekleidung, hauptsächlich für  Oberbekleidung120-280g/m²  
Festere Bekleidung, hauptsächlich für Jacken und Hosen, ggf neben Fütterung280-500g/m²  
Leichtes Bekleidungsleder; Schuhleder; schwere Bergschuheca 300; 830-980; 1000-2500g/m², siehe hier  
Möbelbezug, schwere Vorhänge; Automobilleder400-600; 650-900g/m²
  

 

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