Kap. 3.3 | Wieviel? – Methoden zur Berechnung des Stoffverbrauchs

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Wieviel Stoff brauche ich – Faustformeln und 5 Methoden für deinen Stoffverbrauch

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Stoffe




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Wieviel Meter brauche ich?

Näht man vom im Handel erhältlichen Schnittmusterbogen, so findet man meist Angaben zur benötigten Stoffmenge (oft gar einen Auflageplan für unterschiedliche Stoffbreiten).

Wer den Stoffbedarf in laufenden Metern auch für andere Nähvorhaben berechnen will, dem hilft nur Mathe. Und das sind die Variablen:

  • Stoffbreite
  • Tatsächliche Nutzbreite aufgrund nicht nutzbarer Kanten oder Fehler
  • Maße der Schnittteile
  • Beachtung des Fadenlaufs: Zuschnitt im oder schräg zum Fadenlauf
  • Ökonomisches Auflegen der Schnittteile (optimierter Schnittauflageplan)
  • Größe, Wiederholung und Ausrichtung eines Musters
  • Strichrichtung (zum Beispiel bei Samtstoffen)

Bei großen Projekten mag sich das Aufstellen einer Formel lohnen. Ein Nähanfänger hält sich damit besser nicht allzu lang auf. Dafür gibt es diese Methoden:

Faustregeln Stoffverbrauch

Methode 1)

(Geeignet: Vor dem Stoffkauf, konkretes Nähvorhaben ist bekannt, Schnittmuster unbekannt)

 

Faustformeln

NähvorhabenMindestmengeAbweichungen
Oberbekleidung1 x Oberkörperlänge + 1x Ärmellängebei Jacken und Blazern: +1m
  bei Breite < 100cm: +1m
Kleid1x Kleidlänge + 1x Ärmellängebei Breite < 100cm +1m
Hose1x Hosenlängeab Größe 44: +20cm
  bei Breite < 100cm: 2x Hosenlänge
  bei weiten Hosen: 2 Hosenlänge
Rock, eng/glatt1x Rocklängeab Größe 46: 2x Rocklänge
  bei Breite < 100cm: 2x Rocklänge
Rock, weit/gekräuselt/mit Falten2x Rocklängebei Breite < 100cm: Zweifache Rocklänge x 1,5
Sonstiges1x längste Seite 

Hinzu kommen hier und da ein paar cm mehr für Saumzugaben und ein eventuell vergrößerter Verbrauch abhängig vom Musterrapport.

Gut zu wissen:

  • Gängige Stoffbreiten liegen zwischen 90cm und 140cm, Stoffe bis 100cm breit nennt man „einfach breit“, zwischen 100-160cm „doppelt breit“
  • Am geringsten ist der Verbrauch bei einfarbigen oder kleingemusterten Stoffen ohne Strich
  • Bei großen Mustern mit eventueller Musterrichtung (zB diagonalen, breiten und mehrfarbigen Streifen) und/oder Strichrichtung (zB Samt) ist der Verbrauch stets größer
  • Bei quergestreiftem Musterrapport erhöht sich der Verbrauch in der Regel um einen Rapport

Neben den Nahtzugaben immer daran denken, dass viele Stoffe beim Waschen bis zu 4% einlaufen können. Vor dem Nähen den Stoff am besten waschen.




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Methode 2)

(Geeignet: Stoff und Schnittmuster bereits vorhanden)

Sollte man den Stoff bereits haben und möchte für kleinere Nähprojekte schauen, ob der Stoff ausreicht, hilft meist bereits das direkte, möglichst platzsparende Auflegen der Schnittteile.

Methode 3)

(Geeignet: Vor dem Stoffkauf, Vorab-Kalkulation für bestimmtes Muster und Stoffbreite, Schnittmuster bekannt)

Nach Festlegen auf eine bestimmte Musterung und Stoffbreite hilft das Erstellen einer Zeichnung, in der die Stoffbreite als Gerade zunächst die erste feste Größe darstellt, auf der man versucht, möglichst viel Fläche der Schnittteile bei möglichst geringem Verschnitt unterzubekommen.

Die Vorgehensweise dazu:

1.) Welche Schnittteile habe ich?

2.) Was sind die ungefähren Maße (maximale Länge und Breite) dieser? Größtes zuerst bachten.

3.) Wieviel Länge oder Breite eines jeden Schnittteils bekommt man auf die Länge oder Breite des Stoffes, um möglichst viel Verschnitt zu sparen? Muster beachten.

4.) Habe ich alle anzufertigenden Schnittteile auf dem Stoff untergebracht?

5.) Was misst die Länge aller nun aufgelegten Schnittteile ungefähr? Diese Länge ergibt dann, wieviel Meter man vom Stoff braucht.

Stoffverbrauch berechnen Methode 2Beispiel Langarm-Oberteil:

1) Insgesamt 4 Schnittteile: 2x Teil 1, 2x Teil 2

2) Die längste Seite hat Teil 1.

3) Sie passt hier eigentlich genauso gut auf die fixe Ballenbreite wie wenn man alle Teile in der Breite (also ((B1x2)x2) + (B2x2)) ohne Stoffbruch an der Ballenbreite auslegt. Das Muster gibt hier jedoch nur eine Musterrichtung vor, also wird im Stoffbruch die längste Seite parallel zur Ballenbreite ausgelegt.

4) Teil 1 wollen wir im Stoffbruch zuschneiden, aber 2x.

5) Wir brauchen eine Stofflänge in m von ((B1x2)x2) + (B2x2), bei fixer Ballenbreite anhand der längsten, drauf passenden Seite.

Methode 4)

(Geeignet: Vor dem Stoffkauf, Vorab-Kalkulation für bestimmtes Muster und Stoffbreite, Schnittmuster bekannt)

Etwas aufwendiger, aber lohnenswert, ist das Erstellen eines Schnittmusterauflegeplans in verkleinertem Maßstab (zum Beispiel 1:5) auf Papier. Hat man die Zeichnung maßstabsgetreu vor sich liegen und sieht große, verschnittstarke Lücken, kann man die Schnittteile ausschneiden und auf der Stoffbreite durch Anordnen versuchen, diese so gut wie möglich zu schließen.

Methode 5)

(Geeignet: Vor dem Stoffkauf, Vorab-Kalkulation für bestimmtes Muster und Stoffbreite, Schnittmuster bekannt)

Wer das Schnittmuster mit den Maßen auf dem PC hat oder im Umgang mit Vektoren, CAD-Software & Co übermäßig geübt ist, dem sei eine Schnittbilderstellung am PC ähnlich Methode 3 zu empfehlen. Besonders leicht wird es mit einer Software, mit der sich auch die ökonomischste Auflegemöglichkeit beim Schnittbilder schnell darstellen und direkt als Zuschneideplan ausdrucken lässt.

 

Auf Seite 2 liest du, wie du den Garnverbauch ganz einfach per Faustformel bestimmen kannst.

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